Der japanische Yen: Immer noch ein sicherer Hafen?
Wenn die Welt mit zunehmenden geopolitischen Spannungen konfrontiert ist, wie es derzeit angesichts des Konflikts in der Ukraine und des israelisch-palästinensischen Konflikts der Fall ist, wenden sich Anleger, um ihre Verluste zu begrenzen, sicheren Anlagen zu.
Ein sicherer Hafen ist ein Finanzinstrument, das in Zeiten finanzieller Unsicherheit als stabiler Vermögenswert gilt und sogar Aufwärtspotenzial bieten kann. Zu diesen Vermögenswerten zählen insbesondere drei Währungen: der US-Dollar (USD), der Schweizer Franken (CHF) und der japanische Yen (JPY). Aber sind sie wirklich immer sichere Häfen?
Der US-Dollar
Der US-Dollar gilt aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Stabilität der Vereinigten Staaten als sicherer Hafen. Zudem nehmen die Vereinigten Staaten eine führende Rolle in der Weltwirtschaft ein.
Der Schweizer Franken
Der Schweizer Franken gilt zudem als stabile und starke Währung in Krisenzeiten. Die Schweiz ist nämlich bekannt für ihre konservative Geldpolitik, ihr äußerst stabiles Finanzsystem und ihre traditionelle politische Neutralität (auch wenn diese derzeit auf eine harte Probe gestellt wird…).
Der japanische Yen
Der japanische Yen gilt zudem aufgrund der politisch-wirtschaftlichen Stabilität Japans und seiner Finanzmärkte als sicherer Hafen. Der Yen wird aufgrund seiner hohen Liquidität an den Märkten als sichere Währung angesehen. Es ist jedoch anzumerken, dass die japanische Währung derzeit trotz ihres Status als sichere Währung ihren tiefsten Stand seit über dreißig Jahren erreicht hat… Tatsächlich wurde der Yen am Montag, dem 2. April 1990, zu 160 pro Dollar gehandelt, und am Mittwoch, dem 24. April 2024, lag der Kurs bei über 155 pro Dollar. Wir können ihn daher derzeit nicht mehr als sichere Währung betrachten… Aber was sind die Ursachen dafür?

Entwicklung des japanischen Yen
Die Zinssätze und die Marktdynamik sind die beiden Hauptursachen dafür. Bis März dieses Jahres waren die kurzfristigen Zinssätze in Japan negativ, das heißt, es war besser, sein Geld auszugeben, als es auf der Bank „schlafen“ zu lassen. Die Bank of Japan (BOJ) hat diese Politik der negativen kurzfristigen Zinsen aufgegeben, bleibt aber, wie aus der Grafik der OECD-Prognosen für die kurzfristigen Zinssätze hervorgeht, unter 0,1 % und liegt im ersten Quartal 2024 bei 0,074 %.

Zum Vergleich: Die kurzfristigen Zinssätze für den CHF liegen bei 2,003 % und die für den USD bei 5,357 %. Dieser Anstieg der kurzfristigen Zinsen führte zu einer Zunahme der Short-Positionen auf den Yen (im April 2024 auf dem höchsten Stand des Jahrzehnts) und dazu, dass japanische Investoren ihre Liquidität aufgrund der höheren Renditen und der geringen Volatilität im Ausland hielten. Mit anderen Worten: Carry-Trades. Dabei wird die fundamentale Differenz der kurzfristigen Zinssätze zweier Währungen (zum Beispiel der japanische Yen bei 0,074 % und der US-Dollar bei 5,375 %) sowie die Wechselkursschwankung genutzt, um Gewinne zu erzielen.
Die Auswirkungen der japanischen Wirtschaftspolitik
Dieser erhebliche Unterschied zwischen den japanischen und den amerikanischen Zinssätzen ist auf die unterschiedliche Geldpolitik dieser beiden Länder zurückzuführen. Die Politik der Bank of Japan (BOJ) ist nämlich eine sogenannte „ultra-lockere“ Geldpolitik. Diese besteht darin, die Geldmenge zu erhöhen und die Zinssätze extrem niedrig zu halten, um die japanische Wirtschaft zu stützen (Negativzinsen). Im Gegensatz dazu verfolgt die US-Geldpolitik ein „doppeltes Ziel“, das darin besteht, Vollbeschäftigung und Preisstabilität zu gewährleisten. Aus diesem Grund hat die FED jedes Interesse daran, die Zinsen hoch zu halten, um jegliches Inflationsrisiko zu vermeiden. Aus all diesen Gründen befindet sich der USD/JPY-Kurs auf dem höchsten Stand seit über dreißig Jahren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der japanische Yen derzeit nicht mehr als sicherer Hafen gilt, im Gegensatz zum Dollar und zum Schweizer Franken. Da japanische Haushalte große Importeure sind, leiden sie daher unter sehr hohen Preisen aufgrund der Schwäche ihrer Landeswährung, können sich aber über einen boomenden Tourismus freuen, da der US-Dollar, der Schweizer Franken oder sogar der Euro gegenüber dem japanischen Yen Höchststände erreichen.
Sie haben es sicher schon bemerkt: Jetzt ist der beste Zeitpunkt, Ihr Geld in Yen umzutauschen und Sashimi und Maki-Sushi direkt in Tokio zu genießen.


