Schweizer Franken: Rückblick auf das Ende der EUR/CHF-Untergrenze von 2015
Die plötzliche Aufhebung des EUR/CHF-Mindestkurses am 15. Januar 2015, die auf eine Ankündigung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) folgte, die die Wirtschaftswelt überraschte, ist ein besonders prägendes Ereignis in der Schweizer Währungsgeschichte der letzten Jahre. Ein Blick auf diese schockierende Ankündigung, deren Folgen in der Schweiz bis heute zu spüren sind.
Erfahren Sie, worin der Mindestkurs zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken bestand, warum die SNB ihn 2015 aufgab und welche Folgen dieses einschneidende Ereignis sowohl für die Märkte als auch für die Schweizer Unternehmen und ihre Beschäftigten hatte.
Was ist die EUR/CHF-Untergrenze?
Der am 6. September 2011 von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eingeführte EUR/CHF-Mindestkurs war ein Mindestwechselkurs zwischen dem Schweizer Franken (CHF) und dem Euro (EUR), durch den 1 Euro theoretisch nicht mehr weniger als 1,20 Schweizer Franken wert sein durfte.
Nach einer langen Phase der Aufwertung des Schweizer Frankens (während der der Schweizer Franken mitten in der Staatsschuldenkrise in der Eurozone als sicherer Hafen diente) hatte die SNB tatsächlich beschlossen, diesen Mindestkurs einzuführen, um eine zu starke Aufwertung ihrer Landeswährung zu verhindern.
Und das aus gutem Grund: Eine zu starke Währung hat zahlreiche negative Folgen für die Wirtschaft eines Landes, da sie insbesondere die Exporte beeinträchtigt; die SNB hatte sich daher entschlossen, in großem Umfang Fremdwährungen zu kaufen, um die Aufwertung des Schweizer Frankens einzudämmen…
Das Ende der EUR/CHF-Untergrenze von 2015
Die Fakten
Nachdem die SNB den Mindestkurs von 1 Euro zu 1,20 Schweizer Franken fast dreieinhalb Jahre lang beibehalten hatte, hob sie ihn am Donnerstag, dem 15. Januar 2015, gegen 10:30 Uhr plötzlich auf, was nicht nur Panik an den Finanzmärkten auslöste, sondern auch Unverständnis und Ärger in den Schweizer Wirtschaftskreisen hervorrief.
Und das aus gutem Grund: Noch drei Tage zuvor, am Montag, dem 12. Januar, hatte die Schweizer Zentralbank durch ihren Vizepräsidenten Jean-Pierre Danthine ihre Entschlossenheit bekräftigt, diesen berühmten Mindestkurs zu verteidigen.
Warum wurde die EUR/CHF-Untergrenze aufgehoben?
Um diese überraschende Entscheidung zu begründen, sprach SNB-Präsident Thomas Jordan von einer logischen Entscheidung, die sich aus einer eingehenden Prüfung der Bilanz der Schweizer Nationalbank ergab. Nach Ansicht der Führungsgremien der SNB befindet sich der Schweizer Franken zwar nach wie vor auf einem relativ hohen Niveau, doch sei seine Überbewertung durch die Einführung des Mindestkurses in den vergangenen Jahren weitgehend eingedämmt worden.
Jordan erwähnt zudem die jüngste deutliche Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, die unweigerlich zu einer Abwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Greenback führt. In Verbindung mit den Schwierigkeiten der SNB aufgrund der wachsenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Geldpolitiken der wichtigsten europäischen Zentralbanken (Unterschiede, die sich im Rahmen des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank noch weiter vergrößern dürften) hätte diese Abwertung somit die Entscheidung der Schweizer Institution beschleunigt.
Um zudem eine unerwünschte Straffung der geldpolitischen Bedingungen zu begrenzen, hatte die SNB damals umgehend beschlossen, den Zinssatz für Giroguthaben, die einen bestimmten Freibetrag überschreiten, um einen halben Prozentpunkt auf -0,75 % (gegenüber ursprünglich -0,25 %) zu senken.
Die Folgen des Wegfalls der EUR/CHF-Untergrenze
Unmittelbare Folgen
Die Ankündigung der SNB vom 15. Januar 2015 schlug auf den Finanzmärkten wie ein Blitz ein. Obwohl viele Beobachter früher oder später mit einem solchen Schritt gerechnet hatten (da die EUR/CHF-Untergrenze nicht auf Dauer haltbar war), hätte niemand gedacht, dass er so plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung erfolgen würde!
Die Reaktion des Marktes erfolgte sofort und heftig: Der Euro, der kurz vor der Ankündigung der SNB noch 1,20 Schweizer Franken wert war, fiel rasch auf ein Allzeittief von 0,9652 Franken, bevor er sich am Ende des Tages bei etwa 1,04 Franken stabilisierte.
Gleichzeitig verzeichnet die Schweizer Börse deutliche Verluste: Der SMI-Index, der die 20 Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung des Landes umfasst, schloss den Handelstag mit einem Minus von 8,67 % bei 8 400 Punkten.
Schließlich strömen in den Stunden nach der Ankündigung der Aufhebung der EUR/CHF-Untergrenze zahlreiche Schweizer Bürger und Grenzgänger, die massenhaft Euro gekauft hatten, in die Wechselstuben, um ihre Transaktionen rückgängig zu machen (sodass einige Wechselstuben gezwungen sind, alle Euro-Abhebungen vorübergehend auszusetzen, um einen Systemausfall zu vermeiden).
Längerfristige Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft
Abgesehen von den unmittelbaren negativen Folgen der Aufhebung des Mindestkurses zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken hat die Entscheidung der SNB sowohl für die Unternehmen als auch für die Arbeitnehmer in der Schweiz zahlreiche langfristige Schwierigkeiten mit sich gebracht.
Zunächst einmal hat dies zu einem nicht unerheblichen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit für die Schweizer Exportunternehmen geführt. In einem stark auf den Außenhandel ausgerichteten Land (Uhrenindustrie, Luxusgüter, Industrie, Banken- und Finanzsektor…) sind diese Unternehmen zahlreich vertreten; sie mussten daher miterleben, wie ihre Produkte und Dienstleistungen innerhalb eines einzigen Tages um fast 30 % an Wert gewannen und dadurch erheblich an Wettbewerbsfähigkeit einbüßten…
Gleichzeitig hat dies die Attraktivität der Schweiz für ausländische Investoren erheblich beeinträchtigt: Aufgrund der starken Aufwertung des Schweizer Frankens ist es heute deutlich teurer, eine Niederlassung in der Schweiz zu gründen, als dies zu Zeiten des EUR/CHF-Mindestkurses der Fall war.
Zwar schien diese Entwicklung zunächst auf den ersten Blick für Grenzgänger vorteilhaft zu sein (da ihre Kaufkraft deutlich stieg), doch auch sie haben mit, gelinde gesagt, unangenehmen Folgen zu kämpfen; denn die Schweizer Unternehmen, die unter dem zu starken Franken zu leiden hatten, sahen sich gezwungen, ihre Neueinstellungen zu drosseln oder sogar Personal zu entlassen.
Ebenso konnten einige Immobilienkreditnehmer, die einem sehr hohen Wechselkursrisiko ausgesetzt waren, eine Verschuldung in Schweizer Franken davontragen, die den Wert ihrer Immobilie in Euro überstieg!
Schwerwiegende und sehr reale wirtschaftliche Folgen, die direkt durch die ungünstige Entwicklung des EUR/CHF-Wechselkurses verursacht wurden und die nur wenige Akteure dank ihrer Strategien zur Minderung des Wechselkursrisikos abmildern konnten.


