Schweiz: die Heimat der Uhrmacherkunst
Auch wenn die Uhrenindustrie nur einen kleinen Teil der Schweizer Exporte ausmacht, gilt sie als Symbol für das Know-how und die Spitzenqualität „Made in Switzerland“. Die größten Uhrenhersteller haben hier ihren Ursprung und begeistern auch heute noch durch ihre Präzision. Aber warum gerade die Schweiz?
1. Die Geschichte der Uhrmacherkunst in der Schweiz
Sie ahnen sicher, dass die Uhrmacherkunst nicht in der Schweiz entstanden ist, sie ist viel älter als das! Tatsächlich tauchten die ersten Sonnenuhren um 1450 v. Chr. bei den Ägyptern auf, die die Zeit durch Beobachtung des Tages- und Nachtzyklus maßen.
Erst 1541, als Jean Calvin jegliche Zeichen von Reichtum und Schmuckgegenstände verbot, wandten sich die Goldschmiede und Juweliere, die im Ausland bereits einen guten Ruf genossen, der Uhrmacherkunst zu.
Wenn man zwei Namen nennen sollte, dann sind es Jean Petitot und Jean-Etienne Liotard, die zu herausragenden Botschaftern des Genfer Know-hows werden sollten.
Der Erfolg war zu dieser Zeit so groß, dass 1601 in Genf die weltweit erste Uhrmacherzunft unter dem Namen „Maîtrise des horlogers de Genève“ gegründet wurde.
Im 18. Jahrhundert gab es in Genf so viele Uhrmacher und der Wettbewerb unter ihnen war so stark, dass sich viele Handwerker dazu entschlossen, in andere Schweizer Städte wie Lausanne, Neuenburg, La Chaux-de-Fonds, das Vallée de Joux oder auch Biel zu ziehen.
Zu dieser Zeit führte der Goldschmied Daniel Jeanrichard das Arbeitsteilungssystem ein, das es ermöglichte, die Aufgaben auf mehrere Handwerker aufzuteilen, wobei sich jeder von ihnen auf die Herstellung eines bestimmten Uhrenteils spezialisierte. Vor allem dank dieser Innovation nahmen Produktion und Export stetig zu.
Im Jahr 1770 erschien der Vorläufer der heutigen Automatikuhr: die von Abraham-Louis Perrelet erdachte und entwickelte „Schütteluhr“.
Und erst im 19. Jahrhundert entstanden viele der Uhrenmanufakturen, die bis heute Kultstatus genießen, darunter:
- Blancpain, die unseren Quellen zufolge die älteste Schweizer Uhrenmarke sein soll.
- Patek Philippe, das sich durch die Erfindung der Uhr mit Aufzugmechanismus einen Namen gemacht hat
- Baume & Mercier
- Audemars Piguet
Und noch viele andere…
Das Jahr 1967 markiert einen Wendepunkt in der Welt der Uhrmacherkunst: Das Centre électronique horloger in Neuenburg entwickelte die weltweit erste Quarz-Armbanduhr, die berühmte Beta 21.
2. Der Gebrauchtmarkt für Uhren
Seit einigen Jahren ist ein besonderes Interesse an gebrauchten Uhren zu beobachten. Rekordauktionen und ein rasant steigender Online-Absatz: Gebrauchte Modelle und andere Sammlerstücke sind sehr begehrt und sorgen mittlerweile für einen Boom auf dem Uhrenmarkt.
Die Gesundheitskrise hat auch diese Branche nicht verschont, denn wie bei vielen anderen Akteuren wird ein Großteil der Käufe von Touristen aus aller Welt getätigt, die auf Schweizer Spitzenqualität schwören. Daher haben Sammler diese Lücke geschlossen, und heute sind sie zahlreicher als noch vor einigen Jahren. Viele dieser Käufer sind auf der Suche nach seltenen und überraschenden Stücken, die sie aufbewahren, ausstellen oder weiterverkaufen können.
Der Gebrauchtmarkt und insbesondere der Uhrenmarkt ist ebenfalls finanziell interessant. Er bietet hervorragende Geschäftsmöglichkeiten, da manche Uhren dort 40 bis 50 Prozent günstiger als der Neupreis verkauft werden – ein nicht zu vernachlässigender Vorteil, wenn es um Luxusartikel geht.
Laut einer Studie von Deloitte aus dem Jahr 2021 gibt fast jeder dritte Verbraucher an, bereit zu sein, in den nächsten 12 Monaten eine gebrauchte Uhr zu kaufen. Viele Juweliere und Uhrenhändler haben diese Gelegenheit daher sofort ergriffen!
3. Die Schweizer Uhrenindustrie weltweit
Wussten Sie, dass in der Schweiz jährlich etwas mehr als 15 Millionen Uhren hergestellt werden? Allein auf die Schweiz entfallen wertmäßig mehr als 50 % des weltweiten Uhrenmarktes, mit einem geschätzten Umsatz von über 50 Milliarden Franken, alle Marken zusammengenommen.
Was das mittlere und obere Preissegment betrifft, kann kein Land der Schweiz das Wasser reichen. Tatsächlich werden über 95 % der Uhren, die für mehr als CHF 1000.– verkauft werden, in unserem schönen Land hergestellt. Betrachtet man die letzten Jahre als Beispiel, so ist der Durchschnittswert der exportierten Schweizer Uhren stetig gestiegen und liegt heute bei CHF 1200.–, eine Zahl, die man natürlich in manchen Fällen mit 2 oder sogar 3 multiplizieren muss, um den tatsächlich vom Endkunden bezahlten Preis zu erhalten.
Das Land zählt mehr als 350 Marken, die das Label «Swiss Made» tragen, doch nicht alle spielen in derselben Liga. Allein die fünf stärksten Marken teilen sich 50 % des Uhrenmarktes. Hinter der unantastbaren Rolex finden sich:
- Omega (Swatch Group)
- Cartier (Richemont)
- Longines (Swatch Group)
- Patek Philippe
- Audemars Piguet
Es ist also offensichtlich, dass neben den unabhängigen Marken drei große Konzerne den Schweizer Uhrenmarkt dominieren:
- Swatch Group
- Richemont
- LVMH
Dennoch ist die Uhrenindustrie nicht der wirtschaftliche Motor der Schweiz. Sie macht nur 1,5 % des BIP aus und liegt als Exportbranche an dritter Stelle hinter der Pharma- und Chemieindustrie sowie dem Werkzeugmaschinenbau.


